Sparmaßnahmen

Mit dem Bruchteil eines "Star-Wars"-Budgets werden in Babelsberg gleich vier Science-Fiction-Filme gedreht

Nicole in der Beeck

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Langsam wird es ungemütlich. Die Kälte kriecht durch die Schuhsohlen. Die fahlen Fingerspitzen kribbeln. Die Körper lechzt nach heißer Flüssigkeit. Tee, Kaffee - egal. Hauptsache: Wärme. Mit Fotoapparaten bestückt steht an einem nebligen Abend im Dezember ein halbes Dutzend Statisten auf dem Filmgelände in Potsdam Babelsberg, dem Drehort für den Film "Detective Lovelorn". Regisseur Thomas Frick hat die Statistentruppe im Eiltempo zusammengetrommelt. Er braucht Blitzlichtgewitter für die nächste Szene. Selbst seinen Produzenten, Daniel Witte von Checkpoint Berlin Filmproductions, hat er zum Statistendienst verdonnert. Frick braucht jeden, der eine Kamera halten kann. Die Zeit drängt. In nur 20 Tagen soll der Film abgedreht sein.

Das Projekt ist ehrgeizig. Mit einem Gesamtbudget von 7,6 Millionen Mark sollen an je 20 Drehtagen vier 90-minütige Spielfilme in Babelsberg entstehen. "Planet B" sind die Streifen überschrieben, die im Herbst nächsten Jahres über die Leinwände der Kinos flimmern sollen. "Die Illusionen, um die es in den drei Geschichten geht, sind nur mit ganz kleinen Budgets zu realisieren", sagt Produzent Witte, der früher beim Privatfernsehen arbeitete. Jetzt schlägt sein Herz für "Planet B". Unter diesem Namen soll das alte B-Movie wiederbelebt werden. Dahinter stecken günstig produzierte, skurrile Science-Fiction-Filme, die es in den 50er Jahren zum Kultstatus brachten. "Filme wie Star Wars fußen auf der Idee der alten B-Movies", sagt Pino Brönner, Sprecher des Filmprojekts, während er in der Statistengruppe auf Anweisungen harrt. "Aber sie brauchten astronomische Budgets."

Die hält Produzent Witte klein. Über persönliche Kontakte haben er und seine Kollegen Schauspieler für das Konzept begeistert. "Die freuen sich, dass sie wieder schauspielern können und nicht zum x-ten Mal den weißbemäntelten Arzt in einer Vorabendserie darstellen", sagt er. Begeisterung tut Not: Die Macher von Planet B verzichten etwa auf aufwendige moderne Trickfilmproduktionen. Stattdessen sorgt der ehemalige Defa-Ost-Trickfilmchef Erich Günther mit einfachen Mittel für Effekte. Zudem sind sie vergleichsweise knauserig bei den Gagen. 750 Mark heißt ihre magische Obergrenze. Die gibt es für Mitglieder des Teams wöchentlich, für Schauspieler täglich. Darsteller wie Horst Buchholz, Misel Maticvic oder Ralph Herford ließen sich dennoch zum Einheitspreis anheuern.

Herford, der unter anderem neben Til Schweiger in "Knockin' on Heaven's Door" zu sehen war, steht an diesem Dezemberabend neben Hauptdarsteller Maticvic alias Detective Nils Lovelorn vor der Kamera. Die Kälte macht auch den Profis zu schaffen. In den kurzen Pausen zwischen dem Fallen der Klappe hüpft Herford unruhig vor den Statisten auf und ab, seinen Text rezitierend. Doch es dauert, bis der dick bemützte Regisseur endlich mit der Szene zufrieden ist.

Witte wacht unterdessen über das Budget. "Blitzlichter ausschalten", schärft er den Statisten ein und hantiert demonstrativ an der eigenen Kamera. Die Batterien der ersten Geräte drohen bereits zu versagen und damit die Produktion unnötig zu verlängern. "Echt B-mäßig", raunen sich die Statisten angesichts der Sparmaßnahme zu. Der Kälte zum Trotz lassen sie sich ihren Humor nicht nehmen. Kein Wunder: Ein Ende ist absehbar. Nur drei Szenen der Planet-B-Reihe entstehen im Freien, der Rest im Studio. "Insbesondere aus Kostengründen", weiß Sprecher Brönner. Studio Babelsberg, das symbolisch mit einem Prozent an dem Projekt beteiligt ist, hat mit den Machern von Planet-B einen Deal abgeschlossen. Sie dürfen alle Studios und Drehplätze auf dem Filmgelände nutzen, solange sie von keiner anderen Produktion gebucht sind. "Echt B-mäßig" sei das, lernen die fröstelnden Statisten die Spar-Lektion

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